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Stauden als blühende Alternative

Problemfall Buchsbaum

Schaderreger setzen das beliebte Formschnittgehölz massiv unter Druck. Wer nach attraktiven und insektenfreundlichen Alternativen sucht, wird im Reich der Stauden fündig.

Der Buchsbaum kann einem wirklich leidtun. Buchsbaumspinnmilbe, Buchsbaumblattfloh und Kommaschildlaus waren lästig, aber in den Griff zu bekommen, doch mittlerweile ist das beliebte Formschnittgehölz regelrecht umzingelt. Der Buchsbaumzünsler sowie die pilzlichen Erreger von Buchsbaumkrebs und Buchsbaumsterben machen dem Buchs derart zu schaffen, dass immer mehr Pflanzenfans lieber auf ihn verzichten.

„Da kommen ein gestiegenes ökologisches Bewusstsein und das Thema Pflegeaufwand zusammen“, beobachtet Joachim Trox von der Gärtnerei Neuhoff Staudenkulturen nahe Hamburg. „Wenn nur noch intensive Pflegemaßnahmen oder regelmäßiges Spritzen helfen, liegt es für viele Gartenfreunde näher, nach Alternativen zu schauen.“

Der Buchs ist also auf dem Rückzug. Was auf der einen Seite ein herber Verlust ist, insbesondere, wenn jahrzehntealte Pflanzungen betroffen sind, kann sich mitunter jedoch zum Gewinn wandeln – für die Insektenwelt, aber auch für die Menschen. Dann nämlich, wenn an die Stelle von Buchseinfassungen und Formgehölzen in Pflanzgefäßen blühende Stauden treten.

Schön, unkompliziert und insektenfreundlich

„Stauden haben drei große Vorteile: Sie machen schnell etwas her, müssen seltener geschnitten werden und bieten eine enorme Vielfalt. Dadurch finden sich für viele Gelegenheiten attraktive und obendrein blühende Alternativen zum Buchs“, fasst der Diplom-Agraringenieur zusammen.

Für sonnige Standorte empfiehlt Trox beispielsweise Gamander, Bergminze oder Katzenminze. „Die drei gehören definitiv zu meinen Favoriten, weil sie auf den meisten Gartenböden absolut problemlos gedeihen. Teucrium x lucidrys – der Immergrüne Gamander – blüht ab Juni je nach Art und Sorte violett oder weiß und lässt sich gut in Form schneiden. Er verträgt auch Halbschatten – ein echter Allrounder! Bergminze, botanisch Calamintha, und Nepeta, die Katzenminze, bevorzugen sonnige Plätze, wachsen etwas naturhafter und blühen überreich.“

Pro laufenden Meter genügen vier bis fünf Pflanzen im 9er- oder 11er-Vierecktopf – „das klassische Staudensortiment in diesen 0,5 bis einen Liter fassenden Töpfen ist meist deutlich langlebiger als viele sämlingsvermehrte, großgedüngte Containerpflanzen.“ Schneiden muss man die genannten Stauden nur einmal im Jahr. Joachim Trox empfiehlt, damit bis zum Frühjahrsaustrieb zu warten, damit man sich im Winter noch an den Silhouetten erfreuen kann. „Außerdem dienen die trockenen Blätter und Triebe den Pflanzen als natürlicher Winterschutz.“

In zwei Jahren zur vollen Pracht

Zu den ebenso unkomplizierten wie langlebigen Dauerblühern zählt der Staudenexperte auch den Storchschnabel (Geranium), dessen Artenvielfalt von Sonne bis Schatten und von Sand- bis Lehmboden nahezu alle Gartensituationen abdeckt. Für schattigere Lagen rät Joachim Trox zu kompakten Spezialisten wie dem Zwerg-Geißbart (Aruncus aethusifolius) oder der exotisch anmutenden Traubenlilie (Liriope muscari), die mit immergrünem grasartigem Laub und glänzenden tiefvioletten Blüten besticht.

„Die Traubenlilie ist auch ein toller Eyecatcher in Pflanzgefäßen! An sonnigen bis halbschattigen Plätzen sehen außerdem die eleganten Schmucklilien toll aus, botanisch Agapanthus, aber auch viele Aromapflanzen. Zum Beispiel Lavendel oder Origanum laevigatum, ein besonders attraktiver und würziger Oregano, der unzählige Insekten anlockt.“ So viel auf einmal kann kein Buchs der Welt!

 

Fließende Übergänge schaffen

Für klar umrissene Beeteinfassungen à la Buchs kommen vor allem kompakte, horstartig wachsende Stauden in Frage (siehe Hauptartikel). Der Trend geht aber ohnehin in eine ganz andere Richtung, erklärt Joachim Trox von der Gärtnerei Neuhoff Staudenkulturen nahe Hamburg. „Bei vielen Menschen hat ein Umdenken eingesetzt; auf der Gartenwunschliste stehen immer häufiger mehr Naturnähe und eine artenreiche Bepflanzung. Dazu passend werden die Beetübergänge wieder fließender gestaltet.“

Klassiker wie Steinkraut (Alyssum), Blaukissen (Aubrieta) Schleifenblume (Iberis) und verschiedene polsterbildende Glockenblumenarten (z. B. Campanula portenschlagiana, C. poscharskyana, C. carpatica) kommen ebenso zum Einsatz wie beispielsweise Katzenpfötchen (Antennaria), Silberwurz (Dryas) oder Trox Spezialtipp, das eher selten verwendete Teppich-Fingerkraut (Potentilla tridentata). „Die Gruppe der polsterbildenden Stauden ist riesig und ergänzt das Sortiment der Buchsersatzpflanzen perfekt. Am besten macht man sich vor Ort in der Gärtnerei selbst ein Bild – es lohnt sich!“

Frauenmantel (z. B. Alchemilla erythropoda, A. epipsila)
Klein trifft Groß: Mit Frauenmantel (z. B. Alchemilla erythropoda, A. epipsila) lassen sich schnurgerade Säume ziehen – die mit nur einem Schnitt im Jahr dauerhaft attraktiv bleiben. (Bild: GMH/Bettina Banse)
Purpurglöckchen (Heuchera) und Taglilien (Hemerocallis)
Farbenfroh: Purpurglöckchen (Heuchera) gibt es in vielen Farbvarianten. Jedes Jahr ergänzen Neuzüchtungen das Sortiment und inspirieren zu kreativen Pflanzkombinationen – hier etwa mit Taglilien (Hemerocallis). (Bild: GMH/Bettina Banse)
Funkien (Hosta)
Die unterschiedliche Färbung und Blattzeichnung der Funkien (Hosta) bietet auch in schattigen Lagen Abwechslung, ohne zu unruhig zu wirken. Im Frühling können Zwiebelblumen den Blattaustrieb ergänzen. (Bild: GMH/Bettina Banse)
Immergrüne Gamander (Teucrium x lucidrys)
Blütenstaude mit Ordnungssinn: Der Immergrüne Gamander (Teucrium x lucidrys) schließt die Reihen oft schon im Folgejahr der Pflanzung. (Bild: GMH/Andre Stade)
Lilientraube (Liriope muscari)
Stilsicher: Bewundernde Blicke sind der Lilientraube (Liriope muscari) gewiss, ob im Pflanzgefäß, vereinzelt ins Beet eingestreut oder als luxuriös anmutende Beeteinfassung. (Bild: GMH/Bettina Banse)

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